Seit mittlerweile fast 20 Jahren werden in Klettergärten Bohrhaken (Bh) gesetzt. Einerseits wurde dabei nicht immer gutes Material verwendet, andererseits sind Bh , die vor 20 Jahren "state of the art" waren, heute keine ausreichende Sicherung mehr.
Nach Empfehlung des DAV-Sicherheitskreises müssen Haken in radialer Richtung (= 90° zum Bohrloch) Zugwerten von 25 Kn (= 2500 kp) und in axialer Richtung (=in Bohrrichtung) Zugwerten von 15 Kn standhalten. In der Folge werden unterschiedliche Bohrhakentypen beschrieben, um sie vor Ort erkennen und nach ihrer Qualität beurteilen zu können.
1. Achtung Gefahr
Generell alarmierend ist es, wenn der Bohrhaken schon stark verrostet ist und (oder) eine Rostspur den Fels entlangrinnt.
Eigenbau Bohrhaken sind immer schlechter als maschinell erzeugte und geprüfte Modelle
Bohrhaken mit Lasche, die außen mit Silikon oder ähnlichem zugeschmiert sind, sind ebenfalls Zeitbomben, da das Wasser, das durch den Fels diffundiert, nicht raus kann und den Bh innen sehr schnell verrosten lässt.
Als Warnzeichen zu verstehen sind Alulaschen, da sie, obwohl sie nicht rosten sehr schnell an Haltbarkeit verlieren. Man erkennt sie an der hell-silbrigen Farbe
2. Wahrscheinlich OK
Nicht verrostete Bh, die außen einen Schraubenkopf haben, sind in einen im Bohrloch verspreizten Dübel eingeschraubt. Ob der Spreizdübel innen fest sitzt, hängt von der Genauigkeit der Bohrlochtiefe ab und das ist von außen nicht zu erkennen.
3. Sehr Gut
Sogenannte Schwerlastanker oder Hsa-Bh: Diese erkennt man am herausschauenden Gewinde, auf das dann die Lasche mit einer Mutter fixiert wird. Die Schwerlastanker halten unabhängig davon, ob zu tief gebohrt wurde, da sich beim Festschrauben der Mutter kleine Metallmanschetten auf den konischen Dübelteil im Bohrloch schieben. Die besten Schwerlastanker sind aus Nirosta, aber auch die verzinkten Modelle halten mind. 10 Jahre
Klebehaken, egal ob als Ring oder in Bühlerform: Die im Handel erhältlichen Modelle sind alle aus Nirosta und werden mit einem 2-Komponenten-Kleber in das Bohrloch eingeklebt. Leider wurden in den letzten Jahren auch Kleber verwendet, die in Fels schlecht bis gar nicht halten und teilweise auch Eigenbau-Klebehaken verwendet, deren Oberfläche zu glatt war, um sich mit Kleber zu verbinden.
Achtung: Es gibt die sogenannten Hacker-Haken, die in vielen Klettergärten rund um Wien verbreitet sind. Das sind Eigenbau-Klebehaken, die warm gebogen wurden und daher schon bei relativ geringer Belastung brechen können.
Sie sind dünkler als die normalen Klebehaken und aus dem Bohrloch kommt nur ein Metallstift heraus, das andere Ende ist nach der Biegung außen drangeschweißt.
Verbreitung: Thalhofergrat, Almfrieden, in verschiedenen Wienerwaldklettergärten, Hausstein, Kalkofen, Kraftwandl, Hirschwände
Fazit:
Nicht jeder Bohrhaken hält was er verspricht
Auch bei Bohrhaken gilt: Standplätze bestehen aus 2 Sicherungspunkten, die mittels Ausgleich verbunden werden (Redundanz)!
Mögliche zusätzliche Sicherungspunkte nützen. z.B.: beim Topropen den Baum oberhalb des Umlenkers dazuhängen
Nicht an einem einzigen Haken topropen
Mitdenken und Hausverstand einsetzen
Literatur zum Thema: